Katharina Zartner, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: k.zartner@uni-mainz.de

Projekttitel: Beschützer der Herden, Gegner der Wildnis, Herr der Tiere – Eine Untersuchung zur Figur des sechslockigen Helden“

Betreuer: Prof. Dr. Alexander Pruß, Prof. Dr. Heide Frielinghaus

Dissertationsvorhaben:

Zur Vorstellungswelt des Alten Vorderen Orient gehörte eine Vielzahl an verschiedenen Göttern und mythischen Wesen, die nicht selten in Verbindung mit der Natur oder Naturphänomenen standen. Ein solches übernatürliches Wesen ist auch der sog. „sechslockige Held“, eine Figur, die im Leben der Menschen in Mesopotamien über Jahrtausende hinweg eine wichtige Rolle gespielt hat. Dies zeigt sich an den zahlreichen Darstellungen der Figur auf verschiedensten Bildträgern (Rollsiegel, Terrakotten, Reliefs…) aus dem 3. bis 1. Jahrtausend v. Chr. – sowohl im privaten als auch im offiziellen Kontext.

Der „sechslockige Held“ ist weder Gottheit noch gewöhnlicher Mensch; er zeichnet sich u. a. durch seine ungewöhnliche Frisur aus (meist sechs Locken, je drei zu beiden Seiten des Kopfes). Auf den früheren Darstellungen wird er häufig als Beschützer von Herdentieren und als Gegner von wilden Tieren gezeigt, oft in der Haltung eines „Herrn der Tiere“. Auf späteren Darstellungen wird der „sechslockige Held“ zum Begleiter des Ea (Gott des Süßwasserozeans) und gehört im 1. Jt. v. Chr. schließlich zu einer Gruppe apotropäischer Figuren.

Obwohl der „sechslockige Held“ zweifelsfrei zu den prominenteren Figuren des altorientalischen Bildkorpus’ gehört, wurde ihm bisher verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit zuteil. Bisherige Bearbeitungen haben sich einzelnen Objektgattungen oder Zeitabschnitten gewidmet, während eine umfassende Materialsammlung noch immer ein Desiderat in der Forschung darstellt. Eine Aufgabe innerhalb des geplanten Dissertationsprojektes wird daher die Sammlung der archäologischen Belege in einer Datenbank sein. In einem zweiten Schritt erfolgt dann die Auswertung des Materials, wobei auch schriftliche Quellen mit einbezogen werden. Neben der Frage nach der ikonographischen Entwicklung des Motivs – Wie lässt sich das spezifische Körperkonzept der Figur herleiten und welche Schlüsse erlaubt dieses im Hinblick auf deren Wesenszüge? – soll dabei vor allem auch die ideologische Bedeutung in den Blick genommen werden: Welche Bedeutung hatte das Motiv für die Menschen im Alten Orient und wie veränderte sich diese im Laufe der Zeit? Beispielhaft kann so aufgezeigt werden, wie und warum die Vorstellung von solchen Wesen entstand und welche Rolle sie in der täglichen Daseinsbewältigung spielten.