Laura Borghetti, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: lborghet@uni-mainz.de

Projekttitel: Die Darstellung von Naturphänomenen in der byzantinischen Literatur des 9. bis 11. Jahrhundert.

Betreuer: Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch, Prof. Dr. Jochen Althoff

Dissertationsvorhaben:

Menschen haben seit jeher Naturphänomenen Widerstand leisten müssen. Sie haben Naturerscheinungen kennengelernt und erfahren, wie man ihnen gegenübertreten kann oder wie man sie nutzen muss. In jeder Kultur der Welt hat die Beziehung zwischen Mensch und Natur nachhaltig Spuren in Literatur, Kunst, Philosophie oder Theologie hinterlassen. Diese vielfältigen Spuren, die im Lauf der Geschichte betrachtet und studiert wurden und sich verbreiteten, haben dem menschlichen Vorstellungs- und Wahrnehmungsvermögen im Verhältnis zur Natur eine Stimme gegeben. Genau diese Spuren im Bereich der byzantinischen Literaturwelt sind Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.

Hauptsächlich Winde, aber auch Stürme und andere mit den Winden verbundene Naturerscheinungen nebst ihres Umfeldes werden im Mittelpunkt dieses Dissertationsvorhabens stehen. Wie und mit welcher Funktion wurden diese Naturphänomene in den naturkundlichen Texten, in der Historiographie, Dichtung, Epistolographie und anderen Literaturgattungen darge­stellt? Welche klassische oder patristische Vorlage steht im Hintergrund? Mit Hilfe der antiken und zeitgenössischen Lexika und durch eine vergleichende Lektüre griechischer Quellen wird die darstellende und metaphorische Bedeu­tung der Schilderung von Naturphänomenen untersucht. Es wird eine literarische Zeitreise in die mittelbyzantinische Epoche zur Entdeckung der Naturwahr­nehmung des damaligen Menschen unternommen. Erwünschtes Ergebnis dieser textuellen und historischen Untersuchung ist außerdem, eine möglichst ausführ­liche Darstellung zu gewinnen, nicht nur in Bezug auf die Wahrnehmung, die der byzantinische Mensch der Umwelt und der Natur um sich herum hatte, sondern auch über die Rolle, die er in seinem Ökosystem spielte.

Das Dissertationsvorhaben, das methodologisch einerseits auf einem philologischen und historischen Ansatz beruht und andererseits von Literaturtheorien bis zu anthropologischen Begriffen aus dem Bereich der Naturwissenschaften reicht, findet im Forschungsfeld der derzeitigen Byzantinistik einen idealen Anwendungsbereich.