Mari Yamasaki, M.A.

 

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

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Projekttitel: Underwater Realms. Concepts of Underwater Spatiality in the Ancient Eastern Mediterranean

Projekt:

Die Perzeption von Unterwasserräumen in antiken mediterranen Gesellschaften ist ein bisher fast völlig unbeachtetes Forschungsgebiet. Während im Bereich der Kognitionswissenschaft Studien zu den psychologischen Auswirkungen von Unterwasserräumen beim heutigen Menschen vorliegen (darunter Gedächtnisstörungen, Orientierungsverlust und Verzerrungen in der räumlichen Wahrnehmung), hat sich die archäologische, historische und altphilologische Forschung mit Blick auf frühere Kulturen bisher nur mit der Wahrnehmung des Meeres im Allgemeinen beschäftigt, ohne dessen Dreidimensionalität wirklich zu berücksichtigen.

Das aktuelle Projekt zielt darauf ab, Konzepte der Unterwasser-Räumlichkeit im östlichen Mittelmeerraum und in der Ägäis im Verlauf des zweiten und ersten Jahrtausends v. Chr. in ihren wahrnehmungsbezogenen und kognitiven Dimensionen zu untersuchen. Durch die Analyse und (Neu-) Interpretation der bekannten Berichte über Unterwasserräume sollen die kognitiven und erfahrungsbezogenen Dimensionen realer und imaginärer Unterwasserräume in den Fokus gerückt werden. Entsprechend werden einerseits die schriftlichen und bildlichen Zeugnisse von Apnoetauchern bewertet und andererseits Unterwasser-Ikonographie und materielle Kultur berücksichtigt, insbesondere Darstellungen von Unterwasserlandschaften und Meeresfauna.

Das erste Ziel besteht darin, zu verstehen, wie die Unterwasserwelt als Raum an sich und mit Bezug zu landbasierten Umgebungen konstruiert wurde. Das zweite Ziel ist zu verstehen, auf welche Weise die realen Tauchererfahrungen in Erzählungen von Unterwasserbereichen einbezogen wurden. Aus methodischer Sicht zielt das Projekt schließlich darauf ab, archäologische und textuelle Analysen mit Ansätzen aus den Kognitionswissenschaften zu kombinieren. Durch die Harmonisierung realer und imaginärer Unterwasserräume anhand der Werkzeuge, die uns die kognitive Psychologie sowie die Philosophie zur Verfügung stellen, wird es möglich sein, auf einem noch unerforschten Gebiet der Altertumswissenschaften in neue Tiefen vorzudringen.