Sibel Ousta, M.A.

Anschrift:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: sousta@uni-mainz.de

Projekttitel: Konzepte und Praktiken des idealen Sterbens in Byzanz vom 4. bis zum frühen 13. Jahrhundert

Betreuer: Univ.-Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch, Univ.-Prof. Dr. Jochen Althoff

Projekt:

Das Konzept des idealen Sterbens, zu dem sich im Mittelalter im europäischen Westen eine bedeutende und umfangreiche Gattung der Erbauungsliteratur entwickelte, beinhaltet die christliche Vorbereitung auf einen guten bzw. heilsbringenden Tod. In Bezug auf den byzantinischen Osten gilt bisher, dass eine vergleichbare ars moriendi-Kultur nicht existierte. Insofern stellt sich die Frage, ob und inwiefern sich die Byzantiner in Hinblick auf ihre Todesstunde vorbereitet haben.

Das vorliegende Projekt widmet sich daher der Untersuchung der Konzepte und Praktiken des idealen Sterbens in Byzanz. Dazu werden narrative und normative Textquellen im Hinblick auf die dort zu findenden literarischen Darstellungen des idealen Sterbens ausgewertet. Dabei wird zwischen den Hauptquellen wie der Hagiographie, Historiographie, Epistolographie, Grabreden und (Roman-)Dichtung sowie ergänzenden Quellen (Homiletik, Anthropologie, Medizin, Rechtstexte und Acta) unterschieden. Auf der Grundlage dieser Schriftquellen sollen die byzantinischen Vorstellungen vom idealen Sterben und die damit verbundenen Praktiken ermittelt werden, die dem Sterbenden zur Erlangung des Seelenheils verhelfen sollten. Der Untersuchungszeitraum umfasst die früh- und mittelbyzantinische Zeit (330-1204), um zu verdeutlichen, dass die in Byzanz vorhandenen Konzepte des idealen Sterbens Entwicklungen durchliefen, die mit dem Vorbild eines Märtyrertodes im Frühen Christentum ihren Anfang nahmen und in der Entschlafung Marias (κοίμησις) im 6. Jh. als Inbegriff christlichen Sterbens das wohl wirkmächtigste Vorbild erhielten. Dabei gilt es zum einen nach den Vorbildern zu fragen, an denen sich die Autoren bei der Ausarbeitung ihrer Konzepte orientierten sowie nach der Funktion der Sterbebegleiter (Angehörige, Priester und Ärzte) unter Berücksichtigung von theologischen Traktaten und Canones. Weiterhin wird ein besonderes Augenmerk auf die Praktiken gelegt, die sich je nach Konzept herausbildeten und im Laufe der Jahrhunderte an die Bedürfnisse der Menschen angeglichen wurden. Als methodische Vorgehensweise wird die historische Diskursanalyse herangezogen, um die maßgeblichen Diskurse zum idealen Sterben innerhalb der ausgewählten Schriftquellen herauszuarbeiten und ihre Veränderung über die Zeit hinweg nachzuvollziehen.