Dominik Berrens

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: dominik.berrens@uni-mainz.de

Projekttitel: Soziale Insekten in der Antike. Ein Beitrag zu Naturkonzepten der griechisch-römischen Kultur

Betreuer: Prof. Dr. Jochen Althoff, Prof. Dr. Marion Gindhart

Dissertationsvorhaben:

Zu Beginn seiner umfangreichsten zoologischen Schrift, der sogenannten Historia animalium, führt der Philosoph Aristoteles einige Kriterien auf, anhand derer sich Tiere einteilen lassen. Ein solches Kriterium ist die Art des Zusammenlebens mit den Artgenossen. Die höchste Stufe erreichen seiner Einteilung entsprechend dabei die sogenannten ζῷα πολιτικά (zōa politiká = "soziale Tiere"), die sich jeweils auf eine Aufgabe konzentrieren (Arist. HA I 1 488a 8). Zu dieser sehr kleinen Gruppe gehören neben dem Menschen vor allem die sozialen Insekten Biene, Wespe und Ameise. (Aristoteles zählt außerdem noch den Kranich dazu).

Aufgrund dieser angenommenen engen Verbindung von Mensch und sozialen Insekten verwundert es nicht, dass es eine reiche literarische Auseinandersetzung mit Bienen, Wespen und Ameisen im griechisch-römischen Kulturraum gibt. Dies gilt nicht nur für biologische oder agrarwissenschaftliche Arbeiten, sondern - vor allem in Form von Gleichnissen und Bildern - auch für dichterische Gattungen wie Epos, Lehrgedicht, Drama und Elegie sowie für philosophische Schriften. Im Rahmen des Dissertationsprojektes werden Darstellungen von Bienen, Wespen und Ameisen in griechischen und lateinischen Texten aus einem Zeitraum vom 8. Jh. v. Chr. (homerische Epen) bis in die Spätantike untersucht. Grundlage bilden naturwissenschaftliche Darstellungen (vor allem von Aristoteles, Varro, Columella, Plinius und Aelian) sowie Gleichnisse, Bilder und Wundererzählungen anderer literarischer Gattungen. Die Vorgaben und Darstellungsabsichten der einzelnen Gattungen gilt es in diesem Zusammenhang genau zu berücksichtigen. Dabei soll das Verhältnis von Mensch und Tier, aber auch die Verbindung dieser drei Insektengruppen untereinander, wie sie in den antiken Texten erscheint, herausgearbeitet werden. Nicht nur in Gleichnissen und Bildern, sondern auch in Darstellungen der antiken Wissenschaft, die diese Tiergruppen betreffen, scheint immer wieder die menschliche Gesellschaft durch. Werte und Einrichtungen werden wie selbstverständlich auf die Tierwelt übertragen, während gleichzeitig Beobachtungen aus der Tierwelt zum Maßstab menschlichen Handelns werden. Hinter all dem scheint ein Naturverständnis zu stehen, welches besagt, dass die Natur auf allen Ebenen alles ähnlich oder sogar gleich anordnet und somit Analogieschlüsse erlaubt. Dieses Naturverständnis soll anhand der Texte genauer herausgearbeitet und begründet werden. Somit will die Dissertation einen Beitrag zur Erforschung von Naturkonzepten in der griechisch-römischen Kultur leisten.

Das Dissertationsprojekt wurde im September 2016 abgeschlossen.