Florian Schimpf, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: schimpff@uni-mainz.de

Projekttitel: "Naturheiligtümer" im westlichen Kleinasien. Natur in sakralen Kontexten von der Archaik bis zum Ausgang des Hellenismus

Betreuer: Prof. Dr. Heide Frielinghaus, Prof. Dr. Jochen Althoff, Prof. Dr. Marion Gindhart

Dissertationsvorhaben:

Alles ist voll von Göttern, schrieb Thales von Milet. Offensichtlich war deren Anwesenheit aber nicht überall sichtbar und dauerhaft beglaubigt. So ist es das erklärte Ziel dieses Dissertationsvorhabens, für den hellenisierten kleinasiatischen Kulturkreis mögliche Konzepte von der Verbindung zwischen Natur und Religion zeitlich, geographisch und kontextuell differenziert zu untersuchen und – basierend auf den bisher bekannten Naturheiligtümern Kleinasiens sowie den literarischen Quellen – der Frage nachzugehen, warum und wie geogener Naturraum in der klassischen Antike eine inhaltliche religiöse Aufladung erfahren und zu einem für Menschen bedeutsamen Sema der Anwesenheit von Göttern werden konnte.

Die Kulturlandschaft Kleinasiens bietet sich in besonderer Weise an, um Voraussetzungen, Entwicklungen und Ausformungen der zu Semata erwählten Plätze epochenübergreifend zu rekonstruieren – nicht zuletzt, da sich dort Phasen der Transformation greifen lassen, in der urtümliche Naturgottheiten überformt wurden und in den Göttergestalten des hellenischen Pantheons aufgingen.

Grundlage der Untersuchung ist die Katalogisierung der archäologisch nachweisbaren Kultstätten und -male. Darauf aufbauend soll einerseits der Frage nachgegangen werden, wodurch sich Naturelemente wie Gipfel, Grotten, Höhlen, Felsen, Quellen oder Flüsse, denen eine besondere Bedeutung als Stätte der Kommunikation mit Göttern zugewiesen wurde, auszeichnen. Andererseits sollen mögliche Faktoren, wie visuell wahrnehmbare Außerordentlichkeit, Nützlichkeit (Ressourcen, Schutz), der topographische Bezug zu einer Siedlung bzw. dem Territorium einer Gemeinschaft und die Beglaubigung durch Sonderereignisse oder uralte Verehrung(sspuren) untersucht, benannt und bewertet werden.

Ergänzend zu den archäologischen Befunden wird in einem zweiten Untersuchungsstrang eine Zusammenstellung literarischer Zeugnisse zu dem Komplex "heiliger Naturraum" angestrebt. Vor allem die Dichtung wird Licht auf die Frage werfen, wie und an welchen Orten der Natur Götter von (welchen) Menschen erlebt und ob diesen Orten bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden. Zuletzt soll eine Synthese der archäologischen und literarischen Apparate Faktoren der Heiligwerdung von Naturelementen konzeptualisieren und den Komplex "Naturheiligtum" auf kleinasiatischem Boden in seiner Gesamtheit ausleuchten.

Das Dissertationsprojekt wurde im Juni 2017 abgeschlossen.