Shahrzad Irannejad, Pharm.D.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: irannejad@uni-mainz.de

Projekttitel: Localization of the Avicennean inner senses in a Hippocratic body.

Betreuer: Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch, Prof. Dr. Jochen Althoff, Prof. Dr. Thomas Efferth, Prof. Dr. Tanja Pommerening

Dissertationsvorhaben:

Die Gelehrten des Mittelalters, sowohl in Europa als auch im islamischen Raum, waren der Überzeugung, dass es, zusätzlich zu den fünf "äußeren" bzw. "externen" Sinnen, nämlich Fühlen, Schmecken, Riechen, Hören und Sehen, auch einige "innere" Sinne gebe. Man glaubte gemeinhin, dass diese Sinne, von denen man ausging, dass sie sich im Hirnventrikel befinden, die sensorischen Informationen verarbeiten. Während heutzutage die Konzepte der "inneren" Sinne im europäischen Raum als der Vergangenheit zugehörig betrachtet werden, spielen sie in der im Mittleren Osten praktizierten Humoralmedizin noch immer eine wesentliche Rolle. In der vorliegenden Studie wird der zugrundeliegende Mechanismus der Entwicklung und des Fortbestandes der Theorie der inneren Sinne im Rahmen der Humoralmedizin diskutiert.

Unter den Philosophen des Mittelalters hat der iranische Philosoph und Mediziner des 10. Jh. Avicenna einen der ausführlichsten und einflussreichsten Beiträge zu der Theorie der inneren Sinne geleistet. Bei der Ausformulierung der Theorie der inneren Sinne und bei der Einordnung in die damalige Medizintheorie, knüpfte Avicenna stark an die Quellen der Antike und Spätantike an. Die geplante Studie beschäftigt sich hauptsächlich mit Avicenna und setzt ihn in den Kontext des 10. Jh. Dann bewegt sie sich zeitlich bis Aristoteles zurück, um den theoretischen Ursprüngen dieser Theorie nachzugehen.

Diese Studie beschäftigt sich sowohl mit der Medizintheorie, als auch dem Ausmaß an praktischem Wissen, das zur Ausbildung dieser medizinischen Theorie beigetragen hat. Untersucht werden hauptsächlich Textzeugnisse. Das Ziel ist es, im Rahmen des Paradigmas der humoralen Medizin zu einem immanenten Verständnis über die Theorie der inneren Sinne zu gelangen. Diese Studie setzt nicht nur das Werk Avicennas in einen historischen Kontext, sondern sie zeichnet auch die Entwicklung der Theorie der inneren Sinne mit Bezug auf ihre soziale, kulturelle, religiöse und medizinische Umgebung nach. Die Studie zeigt daher auch, was mit Ideen geschieht, die übernommen und über linguistische und ideologische Grenzen hinweg transferiert werden.