Simone Gerhards, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: gerhards@uni-mainz.de

Projekttitel: Konzepte von Müdigkeit, Schlaf und Erwachen im alten Ägypten.

Betreuerinnen: Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen, Prof. Dr. Doris Prechel

Dissertationsvorhaben:

Das Entstehen von Müdigkeit, das Übertreten in einen Zustand des Schlafens und das Wiedererwachen gehören zu den normalen Vorgängen im menschlichen Körper und sind eine wesentliche Voraussetzung für ein gesundes Leben. Es sind komplexe, bis heute noch nicht endgültig erklärbare Abläufe, die sich medizinisch unter anderem mit einer Verkleinerung der Pupillen und einem Verlangsamen des Herzschlages äußern. Gerade diese körperlichen Merkmale, die sich täglich wiederholen und einen Großteil des menschlichen Lebens ausmachen, können vielfältig erklärt und gedeutet werden.

Das Dissertationsvorhaben strebt an, die mehrschichtigen Vorstellungen der alten Ägypter über Müdigkeit, Schlaf und Erwachen zu untersuchen und die dahinter stehenden Konzepte zu eruieren und mit anderen Kulturen zu vergleichen. Die heranzuziehenden Quellen können in drei Kategorien aufgeteilt werden: archäologische Hinterlassenschaften wie Betten und Schlafstätten und deren Darstellungen; flachbildliche und rundplastische Darstellungen von müden oder schlafenden Menschen, Tieren und Göttern; schließlich schriftliche Quellen, die den Hauptuntersuchungsgegenstand dieses Dissertationsprojekts bilden werden. Um möglichst viele Quellen berücksichtigen zu können, ist ein Untersuchungszeitraum vom Alten Reich bis zum Beginn der römischen Zeit (ca. 2800 v. Chr. bis 30 v. Chr.) angedacht.

Der Schwerpunkt liegt zunächst auf den lexikologischen Einordnungen innerhalb der Wortfelder "Müdigkeit", "Schlaf" und "Erwachen" sowie deren Konnotationen. Um die ägyptische Perspektive zum Ausgangspunkt der Untersuchung zu nehmen, werden unter anderem folgende Bestandteile zur lexikologischen Untersuchung gehören: eine Analyse der Wortwurzeln, eine Betrachtung des lautmalerischen Aspektes, Nachweise von möglicherweise vorhandenen Lehnworten aus anderen Sprachen und Rekonstruktionsversuche ägyptischer Denkmuster aufgrund von Wortdeterminativen. Zu den Themenfeldern und Aspekten der Untersuchung zählen außerdem neben den medizinischen Funktionen von Müdigkeit, Schlaf und Erwachen auch deren Deutungen. Durch Fragestellungen, ob Müdigkeit, Schlaf, eventuelle Komazustände und Schlafstörungen als Symptome von Krankheiten erwähnt wurden und wie Schlaf auch zur Heilung eingesetzt werden konnte, kann man sich den Konzepten der altägyptischen Medizin nähern. Auf kultursoziologischer Ebene sollen Fragen nach der durchschnittlichen Schlafdauer, dem präferierten Schlafort und weiteren Einschlaf-, Schlaf- und Aufwachgewohnheiten sowie der Praxis des Tempelschlafs erörtert werden.