Sonja Gerke, M.A.

Projekttitel: Hirtenbilder - Untersuchungen zur kulturimmanenten Sicht auf eine altägyptische Personengruppe

Betreuerinnen: Prof. Dr. Tanja Pommerening, Prof. Dr. Sabine Obermaier

Dissertationsvorhaben:

Tiere bildeten innerhalb der altägyptischen Kultur auf ganz verschiedene Weise eine Grundlage des alltäglichen Lebens, was durch ihre Präsenz in zahlreichen Lebensbereichen (Mythologie/Religion, Schrift, Magie/Medizin etc.) deutlich wird und vordergründig sicherlich durch die Abhängigkeit des Menschen vom Tier in dessen Rolle als Nahrungslieferant, Arbeits- und/oder Opfertier begründet werden kann. Diese "Abhängigkeit" schafft ein mehr oder minder "zweckgebundenes" Interesse am Tierreich, mit dem stets ein spezielles Wissen einhergeht, das den Umgang mit Tieren erfordert und voraussetzt.

Im Fokus des Dissertationsvorhabens stehen ausgewählte Personen-/Berufsgruppen, die sich mit der "Hege" von Tieren in Verbindung bringen lassen, d.h. Personen, die sich um Aufzucht, Versorgung oder medizinische Betreuung von Tieren kümmerten. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der Personengruppe der Hirten, aber auch Titel und Berufe wie z.B. "Stallmeister", "Rinderknecht" oder ganz allgemein "Vorsteher" von Tieren oder Örtlichkeiten werden in die Untersuchung einbezogen (z.B. "Vorsteher der Rinder", "Vorsteher der Viehweide" etc.). Die Basis formen dabei sowohl bildliche Quellen (wie z.B. die detailreichen Szenen und Beischriften der Grabikonografie, besonders des Alten Reiches) als auch schriftliche Quellen (wie z.B. Verwaltungsdokumente etc.).

Anhand dieser Personengruppen soll untersucht werden, wie, in welchem Kontext und warum das Wissen um bestimmte Tiere dargestellt oder beschrieben wurde und ob sich zudem Hinweise darauf finden lassen, wie dieses Wissen gesammelt, systematisiert und weitergegeben wurde. Weiterhin ist zu prüfen, ob und auf welche Art und Weise eine Hierarchisierung dieses Wissens fassbar ist, d.h. welcher spezifische Personenkreis über welches Wissen verfügte (oder verfügen durfte) und inwieweit dieses Wissen somit auch den sozialen Status von Einzelpersonen oder einer ganzen Gruppe innerhalb der altägyptischen Gesellschaft mitbestimmen konnte. Dass sich hierbei u.U. ganz ambivalente Aussagen ergeben, kann am Beispiel des Hirten besonders gut verdeutlicht werden: Aus der Darstellungsweise des Hirten in den Szenen der Grabikonographie des Alten Reiches (dicker Bauch, Nacktheit, Halbglatze) kann auf einen niederen gesellschaftlichen und sozialen Status dieser Personengruppe geschlossen werden. Ein ganz anderes Bild zeichnet dagegen der Umstand, dass der "gute Hirte" als Epitheton und Vorbild für den König sowie diverse Götter bemüht wird, was in krassem Gegensatz zu den zuvor genannten Aussagen der Bildquellen zu stehen scheint.

Um eventuelle Entwicklungen, Veränderungen und/oder Einflüsse von außen erkennen und sichtbar machen zu können, ist es erforderlich, einen möglichst großen Zeitraum (Frühzeit bis Römische Zeit) für die Untersuchung zu überblicken.

Das Dissertationsprojekt wurde im Juli 2016 abgeschlossen.