Tim Brandes, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: tbrandes@uni-mainz.de

Projekttitel: Das mesopotamische Konzept von Zeit in Natur und Gesellschaft des 1. Jahrtausends v. Chr.

Betreuer: Prof. Dr. Doris Prechel, Prof. Dr. Ursula Verhoeven-van Elsbergen

Dissertationsvorhaben:

Nach mesopotamischer Vorstellung erschufen die Götter den gesamten Kosmos. Im Zuge der Schöpfung setzten sie die Himmelskörper an ihren Platz und wiesen ihnen Bahnen am Himmel sowie Zyklen des Auf- und Untergangs zu. All dies taten die Götter zu einem bestimmten Zweck: Mit Hilfe der Himmelskörper wurde der Verlauf der Zeit wahrnehmbar gemacht. So gaben die Götter den Menschen ein Instrument, anhand dessen sie ihre ökonomischen und sozialen Aktivitäten, wie beispielsweise den Tempelkult, organisieren konnten. Doch Zeit war für die Mesopotamier mehr als eine reine Organisationshilfe. Die Zeit war ein Phänomen, mit dem die Menschen auch religiöse Vorstellungen verbanden und dem sie bestimmte Eigenschaften zuschrieben.

In der bisherigen altorientalistischen Forschung zum Thema Zeit lag der Fokus zumeist auf technischen Aspekten, wie dem Kalenderwesen und der Zeitmessung. Dem Phänomen Zeit an sich oder der "Natur der Zeit" [Fn. 1] wurde vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit zugedacht. Ziel dieses Dissertationsprojektes ist es daher, eben jenes Phänomen für den mesopotamischen Kulturraum des ersten Jahrtausend v. Chr. umfassend darzustellen. Im Fokus der Untersuchung liegt die Frage nach dem Konzept von Zeit, das die Menschen Mesopotamiens hatten.

Der Arbeit liegt dabei die Theorie der sozialen Zeit zugrunde, nach der Gruppen oder Gesellschaften Zeit jeweils anhand subjektiver Kriterien wahrnehmen und diese entsprechend mit Eigenschaften und Qualitäten versehen. Obwohl es weder im Akkadischen, noch im Sumerischen ein dem modernen Begriff vergleichbares, abstraktes Wort für Zeit gab, lassen sich aus den Quellen dennoch eben solche Vorstellungen und Eigenschaften extrahieren. Als Quellen dienen verschiedene Texte und Textgattungen, wie z.B. Mythen und mythische Passagen, astronomisch-astrologische Texte und divinatorische Texte.

Fußnote 1:
In Anlehnung an Dina Katz, Time in Death and Afterlife, 118.