Tristan Schmidt, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: tristan.schmidt@uni-mainz.de

Projekttitel: Tierbildlichkeit im politischen Diskurs des byzantinischen Kaiserhofs vom späten 11. bis zum frühen 13. Jahrhundert.

Betreuer: Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch, Prof. Dr. Sabine Obermaier

Dissertationsvorhaben:

Der Einsatz von Tiersymbolik war ein in der byzantinischen Hofliteratur häufig verwendetes Stilmittel, mit dem Sinnzuschreibungen und Personencharakterisierungen zum Ausdruck gebracht werden sollten. Gerade das Kaisertum, dem die höfischen Texte besondere Aufmerksamkeit widmeten, wurde entsprechend oft auf diese Weise dargestellt. Die literarische Beschäftigung mit dem Kaisertum lässt sich vornehmlich in rhetorischen, historiographischen und chronistischen Texten verorten, von denen die Zeit der Komnenen-, Angeloi- und Laskaridenherrscher vom ausgehenden 11. bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts eine große Fülle an überliefertem Material zu bieten hat. Die eingesetzte Tiersymbolik bezog sich dabei keineswegs nur auf tatsächlich beobachtete Verhaltensweisen der Tiere. Vielmehr basierte sie auf einem lange gewachsenen System von Bedeutungszuschreibungen durch den Menschen. Dieses System bot ein autorenübergreifendes und innerhalb der Gruppe der Rezipienten allgemein verstandenes Reservoir an Zeichen, das von verschiedenen zeitgenössischen Diskursen sowie älteren Traditionen beeinflusst wurde.

Vor dem Hintergrund einer auf Konventionen basierenden Verwendung von Tiersymbolik soll daher für den genannten Zeitraum untersucht werden, auf welche Art diese im Hinblick auf den Kaiser, d. h. im Rahmen des höfischen Herrschaftsdiskurses, eingesetzt wurde. Ferner soll erforscht werden, welchen zeitgenössischen 'Wissensbereichen' die herangezogenen Referenzwerke zuzuordnen sind und in welchen Traditionen die Verwendungen der Tiersymbolik standen. Als letztes ist nach den Funktionen zu fragen, die die Tiersymbolik bei der Vermittlung des Kaiserbildes erfüllte.

Im Zentrum der Untersuchung stehen zunächst die genannten im Hofumfeld entstandenen Texte. Um den Kontext und die Herkunft der verwendeten Tiersymbolik aufdecken zu können, werden darüber hinaus die in der Epoche verfügbaren Referenzquellen in den Blick genommen, die das zeitgenössische 'Wissen' über die Tiere und ihre Bedeutungen wiedergeben. Dazu zählen etwa zoologische und theologische Schriften, Textstellen aus der Bibel, antike und zeitgenössische Epik, Fabelliteratur etc. Sie bilden den geistesgeschichtlichen Hintergrund der genannten Hauptquellen. Auch relevante Sachquellen sollen, soweit vorhanden, herangezogen werden.