Victoria Altmann-Wendling, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: altmannw@uni-mainz.de

Projekttitel: MondSymbolik - MondWissen. Lunare Konzepte in den ägyptischen Tempeln griechisch-römischer Zeit.

Betreuer: Prof. Dr. Tanja Pommerening, Prof. Dr. Marion Gindhart

Dissertationsvorhaben:

Aus topozentrischer Perspektive stellt der Mond neben der Sonne die größte und hellste Himmelserscheinung dar. Seine im Laufe eines Monats wechselnde Gestalt, sein temporäres Verschwinden bei Neumond sowie das exzeptionelle Ereignis einer Mondfinsternis haben Menschen aller Zeiten zum Nachdenken über Ursachen und Wirkungen dieser Phänomene angeregt. Entsprechende Mythen antiker und rezenter Kulturen sind in Kosmologien, Zeugnissen des Volksglaubens und Ethnographien überliefert. Zweifelsohne kam zudem in vorindustriellen Gesellschaften ohne (elektrische) Lichtquellen der nächtlichen Beleuchtung durch den Mond und deren wechselnder Intensität eine ungleich größere Bedeutung zu als heutzutage.

Im Alten Ägypten wurde der Mond mit den Begriffen Iah bzw. Iun-Haa bezeichnet. Ikonographisch erscheint zum einen der tatsächliche Himmelskörper als Scheibe mit begleitender Sichel, zum anderen eine anthropomorphe oder zoomorphe Gottheit mit einer solchen Scheibe auf dem Kopf. In der Ägyptologie wurde der Mondgott bisher zu einem gewissen Grad vernachlässigt, da er hinter dem ansonsten dominanten Sonnenkult zurücktrat. Das Dissertationsvorhaben möchte diese Lücke füllen und erstmals unter Zusammenführung aller relevanten, den Mond betreffenden Inschriften und Darstellungen ein umfassendes Bild von Wesen und Wirkung des Gottes zeichnen.

Dabei soll untersucht werden, wie die Phänomenologie des Mondes und seine monatlich feststellbare Veränderung in die altägyptische Kultur und Religion eingebettet wurden. Von Interesse ist ferner, welche Erklärungen für bestimmte Phänomene entwickelt werden, z.B. wie Zu- und Abnahme entstehen und was bei seinem Verschwinden bei Neumond passiert.

Als Quellen werden die Tempel- und Funerärtexte der griechisch-römischen Zeit herangezogen (3. Jh. v. Chr.–3. Jh. n. Chr.). Durch Neu- und Erstübersetzungen sowie eine ausführliche Kommentierung soll gezeigt werden, welche astronomischen Beobachtungen und Mondphasen den Texten zugrunde liegen. Sie gestatten Aussagen zur Kontextualität des Mondes und der jeweiligen Bewertung seines Charakters. Schließlich wird herausgearbeitet, ob je nach Ort oder Gattung der Quellen unterschiedliche Konzepte einer Mondtheologie entwickelt wurden. Zusätzlich kann die komparative Heranziehung antiker Autoren das Bild erweitern, und untersuchen, welche Projektionen auf den ägyptischen Mondgott je nach speziellem Diskurs zur Anwendung kamen.

Das Dissertationsprojekt wurde im März 2017 abgeschlossen.