Aimee Miles, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: miles@uni-mainz.de

Projekttitel: Inhabiting coastal worlds: Marine resource exploitation and human-seascape interaction in the Iron Age Eastern Mediterranean.

Betreuer: Prof. Dr. Alexander Pruß

Dissertationsvorhaben:

Die Nutzung und Ausbeutung von Meeresressourcen lässt sich erstmals in der paläolithischen Zeit im östlichen Mittelmeerraum nachweisen und spielte auch in späteren Phasen der wirtschaftlichen Diversifizierung und Erweiterung der kulturellen Konnektivität eine wichtige Rolle für den Lebensunterhalt und die soziale Orientierung von Küstengemeinden. Ziel dieses Dissertationsprojektes ist die Untersuchung, wie Küstengemeinden dieser Region die Küsten- und Meeresumwelt während der gesamten Eisenzeit bewohnten, umgrenzten und schließlich konzeptualisierten, als die Meereslandschaften im östlichen Mittelmeer eine beispiellose kulturelle Aktivität erlebten. Nach der Auflösung der bronzezeitlichen Palastsysteme wurde die Kulturlandschaft dieser Region durch die Massenmigration kultureller Gruppen (z. B. "Seevölker"), geopolitische Reorganisation und das Zusammenwachsen neuer unternehmerischer Seehandelsnetzwerke stark verändert. In der gleichen Zeitspanne wurde zudem die physische Landschaft durch die Entwicklung von künstlich entwickelten Hafensystemen sowie die industrielle Nutzung von Küstenumgebungen neu gestaltet.

Um zu verstehen, wie diese komplexen Entwicklungen die Beziehungen zwischen Mensch und Meereslandschaft über weite Bereiche von Zeit und Raum hinweg beeinflussten, plane ich, verschiedene Fischereipraktiken, Schalentierernten, Marikultur und andere Arten der Nutzung mariner Ressourcen zu untersuchen. Dabei handelt es sich um Prozesse, die zeigen, wie sich Küstengemeinschaften gewöhnlich mit ihrer aquatischen Umgebung befassten. Dabei stellen Überreste der Fauna (einschließlich Muscheln und Skelettreste von Fischen, Meeresschildkröten und Meeressäugetieren) die häufigsten materiellen Rückstände der Ausbeutung von Meeresressourcen dar und geben vielfältige Informationen über vergangenes menschliches Verhalten preis. Für diese Studie plane ich daher, zooarchäologische Daten faunaler Zusammensetzungen aus der Eisenzeit von ausgewählten Küstenorten in Südanatolien und der Levante mit kontextuellen Informationen, Paläoumweltdaten, Textreferenzen, ikonographischen Darstellungen und anderen Kategorien der materiellen Kultur (z. B. Angelhaken, Bleigewichte, bearbeitete Muschelornamente), die aus maritimen Tätigkeiten stammen, zu verbinden. Ich interessiere mich dabei vor allem für die spezifischen kulturellen Ausdrucksformen, technologische Traditionen und Wissenssysteme, welche in derartigen Quellen eingebettet sind; sowie dafür, welche Informationen sie uns über die maritime Dimension des Lebens bei der Annäherung von Land und Meer geben können.