Carrie Schidlo, M.A.

Projekttitel: Florale Elemente in Flach- und Rundbild von der Spätzeit bis in die römische Zeit Ägyptens.

Betreuerinnen: Prof. Dr. Tanja Pommerening, Prof. Dr. Heide Frielinghaus

Dissertationsvorhaben:

Pflanzen werden seit jeher nicht nur als Nahrung oder Duftstoff sowie für heilkundliche Zwecke genutzt, sondern vor allem auch wegen ihres dekorativen Charakters geschätzt. Auffällig an den altägyptischen Hinterlassenschaften ist die Vielfalt der pflanzlichen Abbildungen in naturnaher oder stilisierter Form. Die floralen Elemente kommen sowohl im Mittelpunkt als auch in der Peripherie einer Darstellung vor oder verleihen Objekten ihre pflanzliche Form.

Es wäre einfach, den floralen Elementen im Rahmen einer ägyptischen Kunsttradition eine rein dekorative Funktion zuzusprechen. Diese Annahme wird jedoch den Darstellungen dann nicht gerecht, wenn sich deutliche Bezüge zwischen den floralen Motiven und den Kontexten (profan, sakral, sepulkral) erkennen lassen. Das Dissertationsprojekt geht von der Annahme aus, dass sich in der Wiedergabe floraler Elemente auch kulturelle Vorstellungen widerspiegeln.

Mit dem Projekt soll eine ikonographische Studie vorgelegt werden, die sich dezidiert mit der floralen Motivik in unterschiedlichen Bildmedien aus dem Profan-, Sakral- und Sepulkralbereich von der Spätzeit bis in die römische Zeit Ägyptens beschäftigt. Durch detaillierte Erfassung und Vergleiche der verschiedenen floralen Motive und ihrer künstlerischen Ausführungen in ihren Kontexten können Tradierungen und Veränderungen in der Auswahl von Motivik und Pflanzen aufgezeigt werden. So soll beispielsweise ermittelt werden, ob es in manchen Bereichen eine Entwicklung von einer naturnahen Darstellung zur stilisierten gab. Durch die Eingrenzung des Themas auf solche Epochen mit erhöhtem Kontakt zu den Kulturen des Nahen Osten und des Mittelmeerraumes wird Raum geschaffen, sich auch den aus diesen Kulturkreisen stammenden Pflanzen ausführlicher zu widmen.

Die aus der ikonographischen Untersuchung gewonnenen Informationen werden anschließend im Verbund mit Textquellen genutzt, um die jeweiligen hinter der Verwendung der pflanzlichen Motivik stehenden kulturellen Konzepte wiederzugewinnen. Eine vergleichende Untersuchung der für die drei Lebensbereiche ermittelten Konzepte in synchroner und diachroner Perspektive soll zeigen, inwieweit sich die Motive in allen Bereichen und Zeiten gleichen oder Wandlungen unterliegen und ob sich Präferenzen von bestimmten Motiven für einen Kontext offenbaren. Durch den Einbezug der floralen Motive der Nachbarkulturen lassen sich Tradierungswege und konzeptuelle Spezifitäten ermitteln.