David Usieto Cabrera, M.A.

Anschrift:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: usietocabrera@uni-mainz.de

Projekttitel: Human Sacrifice in the Ancient Near East

Betreuer: Prof. Dr. Alexander Pruß, Prof. Dr. Detlef Gronenborn

Projekt:

Das Forschungsprojekt will eine eingehende und transversale Untersuchung einer heterogenen Praxis leisten, die häufig in den archäologischen Aufzeichnungen des alten Nahen Ostens zu finden ist: Menschenopfer. Das Opfer stellt eine Abkehr von dem üblichen Bestattungsbrauch dar und erfüllt eine andere soziale und ideologische Rolle, die nur durch die archäologischen Aufzeichnungen erkennbar ist und in drei verschiedenen räumlichen Kontexten in Verbindung steht: unter architektonischen Strukturen (Foundation or Construction Sacrifice), innerhalb sowie in der Umgebung von heiligen Landschaften (Symbolic/Dramatic Sacrifice) und bei königlichen / Elite-Bestattungen (Retainer Sacrifice).

Obwohl ich das Konzept der menschlichen Opferpraktiken im alten Nahen Osten archäologisch untersuchen möchte - von den verstreuten prähistorischen Beweisen bis zur Intensivierung der Bronzezeit - liegt mein Fokus auf dem 3. und 2. Jahrtausend vor Christus. Der Grund dafür liegt in der Zunahme solcher Beweise im 3. Jahrtausend v. Chr. sowie in der Entstehung früher Zustände, in denen sich diese Praxis aufgrund des systemischen Stresses der frühen Urbanisierung verschärfte.

Manifestationen menschlich-religiösen Verhaltens erfahren zunehmende Aufmerksamkeit in der Archäologie. Die Besonderheit dieser Grundlagenstudie ergibt sich durch die von mir angestrebte systematische Forschung, besonders den Konzepten, die mit dieser rituellen Praxis einhergehen. In Übereinstimmung damit und basierend auf den archäologischen Beweisen konzentriere ich mich auch auf die Zusammenhänge hinter den Körpern der beteiligten Personen sowie mit der grundlegenden Frage: Gibt es einen Unterschied in der Behandlung der Körper zwischen den religiösen Opfern? Wenn ja, wie war die Idee beziehungsweise die Wahrnehmung des Körpers dahinter? Wurden sie entmenschlicht? Konnte dieses Ritual von einem großen Publikum miterlebt werden oder war es nur einer kleinen Anzahl von Menschen vorbehalten?

Und wie können wir diese Ideen archäologisch verstehen? Wir müssen bedenken, dass bisher keine Textquellen aus dem alten Nahen Osten oder direkte zuverlässige Darstellungen von Menschenopfern und ähnlichen Konzepten existieren. Daher sind die Archäologie und ihre verwandten Wissenschaften wichtig, um die Ideen hinter den Menschenopfern zu erfassen. Darunter fällt die Untersuchung der menschlichen Überreste der Opfer im Vergleich anderer Verstorbener sowie die Kontextualisierung und Untersuchung von potenziellen Utensilien. Letztendlich kommen weitere Fragen auf:   Inwiefern besteht eine Verbindung von immateriellen zu materiellen Beziehungen der Menschen und wie kann man Muster menschlichen Verhaltens betrachten, die durch die Archäologie in einem Individuum sowie in breitgestellten Kontexten wiedergespiegelt wird. Fokussiert werden hier zwei Hauptmerkmale: 1) Anzeichen einer gewaltsamen Todesursache in den menschlichen Hinterlassenschaften (Körpern) und 2) deren „Entsorgung und Anzeichen“ eines heiligen beziehungsweise religiösen sowie auch königlichen Kontextes. Dies sind sehr allgemeine Kriterien, die im breiteren Kontext gestellt werden müssen, um zukünftig neuere Ansätze innerhalb des Interpretationsspielraum von Menschenopfern zu etablieren. Jüngste Entdeckungen, wie in Umm el-Marra oder in Başur Höyük, haben auch dazu beigetragen Eindrücke archäologisch zu untersuchen und zu veranschaulichen und zeigten das enorme Potenzial, welches in zukünftigen Ausgrabungen liegt sowie Neuinterpretationen in vielen archäologischen Stätten (Bsp.: Arabische Halbinsel). Dieser letzte Punkt ist genau das, was ich tun möchte: Da sich Rituale in der Regel wiederholen, möchte ich wiederkehrende Verhaltensmuster identifizieren, die sich von der Norm abheben und als Opfer interpretiert werden können.