Dominic Bärsch, M.Ed.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: dominic.baersch@uni-mainz.de

Projekttitel: Weltuntergänge. Konzepte von Auflösung in der griechischen und lateinischen Literatur.

Betreuer: Prof. Dr. Marion Gindhart, Prof. Dr. Jochen Althoff

Dissertationsvorhaben:

Konzepte vom Vergehen der Welt und ihrer eventuellen Neukonsolidierung werden in verschiedenen Textsorten der griechischen und lateinischen Literatur verhandelt: Lehrdichtungen, Epen, philosophische Dialoge und Traktate, aber auch Tragödien und Epigramme thematisieren den Weltuntergang, wobei Umfang und literarische Ausgestaltung der imaginierten Katastrophen variieren. Einmal wird mit wenigen Worten auf Prätexte angespielt, die assoziativ aufgerufen werden; an anderer Stelle werden mit Hunderten von Versen poetische Bilder eines Endzeitszenarios entworfen.

Besonders prominent treten Kataklysmos und Ekpyrosis – Flut- und Brandkatastrophen – als Modi der Zerstörung auf, mythisch überformt etwa in Ovids Metamorphosen als deukalische Flut und phaethonischer Sturz oder unter philosophisch-natur-wissenschaftlicher Perspektive in Senecas Naturales Quaestiones als zyklisch auftretende Variationen der Auflösung des Kosmos.

Zielsetzung des Dissertationsvorhabens ist es, zunächst mithilfe der Leitmethoden der Narratologie und der historischen Diskursanalyse die Darstellungen von Kataklysmos und Ekpyrosis zu untersuchen. Dabei soll mit Blick auf die Faktur der Textpassagen herausgearbeitet werden, welche narrativen Strukturen und Motive diesen zugrunde liegen, welche Intention hinter ihrer Nutzung steht und wie sie in den Gesamtkontext eines Werkes eingearbeitet sind. Weiterhin soll der Frage nachgegangen werden, wie die Darstellungen transformiert werden und ob sich dadurch Rückschlüsse auf die herrschenden Diskurse der Zeit gewinnen lassen. In diesem Zusammenhang sind vor allem die Auseinandersetzungen mit alternativen Auflösungsszenarien interessant – zu nennen wären beispielsweise die atomistische Vorstellung eines Alterungs- und Zersetzungsprozesses der Welt oder auch die jüdisch-christliche Apokalyptik.

In einem dritten, transdisziplinären Schritt sollen zum einen Untergangskonzeptionen solcher Zivilisationen in den Blick genommen werden, mit denen ein kultureller Austausch anzunehmen ist, wie die des Alten Orients. Als Korrektiv sollen zum anderen Untersuchungen zu Vorstellungen der präkolumbianischen Gesellschaften Amerikas dienen, um die Konzepte in den übergreifenden Kontext von Universalität und Spezifität einzuordnen.