Francisco José Gómez Blanco, M.A.

Anschrift:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: fj.gomezblanco@uni-mainz.de

Projekttitel: Die Arena zu Hause: Konzepte von Körper und Gewalt in Mosaikdarstellungen von Amphitheater-Veranstaltungen der römischen Kaiserzeit

Betreuerinnen: Prof. Dr. Heide Frielinghaus, Apl. Prof. Dr. Annemarie Ambühl

Projekt:

Bei Veranstaltungen im Amphitheater, wie Gladiatorenkämpfen, venationes oder Hinrichtungen, spielte die Inszenierung von Gewalt eine wesentliche Rolle, gleichgültig, ob das jeweilige Geschehen als symbolischer Kampf der Zivilisation gegen die Natur oder das Barbarentum, als öffentliche Darstellung römischer Tugenden oder einfach als Vergnügen der Massen gezeigt wurde. Das von der Staatsmacht aufgesetzte Unterhaltungsprogramm erfreute sich in der römischen Kaiserzeit bekanntlich großer Beliebtheit und wirkte sich auch auf die Gestaltung des Privatbereiches aus, beispielsweise durch die Verwendung beweglicher Gegenstände, die mit entsprechenden Szenen verziert waren, oder durch fest installierte Darstellungen in Wandmalerei und Mosaik. Im Rahmen meines Promotionsprojekts werden anhand von Mosaiken mit Amphitheater-Themen Konzepte von Körper und Gewalt untersucht. Im Zentrum stehen hierbei Darstellungen der mittleren und späten Kaiserzeit aus den nordwestlichen, nordafrikanischen und östlichen Provinzen des Römischen Reiches.
Darstellungen, die mit dem Geschehen im Amphitheater in Zusammenhang stehen, sind ab dem 2. Jh. n. Chr. auf Bodenmosaiken zu finden. Einige von diesen zeigen Einzelbilder z.B. kämpfender Gladiatoren oder exotischer Tiere, während andere ein regelrechtes Amphitheater-Programm präsentieren. Im Rahmen meines Promotionsvorhabens werden die Mosaike unter zwei Gesichtspunkten analysiert. Zum einen wird untersucht, wie die Darstellung von Gewalt in Detail (z.B. Blut, Todesstich, Körperhaltung) und Komposition (z.B. Thematisierung und Ausprägung einer Niederlage) ins Bild gesetzt wird und welche Funktion die Gewaltdarstellungen in ihrem jeweiligen räumlichen Kontext (domus/villae, Raumtyp; zu beachten auch Bildkombinationen etc.) erfüllten. Hieran schließt sich die Frage an, ob sich die Darstellungen im Verlauf der Kaiserzeit veränderten und ob in den einzelnen Provinzen Variationen bei der Auswahl und Zeitstellung bestimmter Szenen oder Details der Szenengestaltung zu beobachten sind. Zum anderen erlauben die Mosaike, Rückschlüsse auf die jeweilige zeitgenössische Gesellschaft zu ziehen. Die Gewalt gegen Gladiatoren, Tiere und Hingerichtete zum Vergnügen der Zuschauer war gesellschaftliche Norm.
Was bedeutete im Kontext der Instrumentalisierung des Körpers die ambivalente Wahrnehmung des Gladiators, das blutige Abschlachten von Tieren und die Wehrlosigkeit der damnati? Zur Erörterung dieser Fragen werden neben dem archäologischen Material auch Schriften antiker Autoren (Cicero, Seneca, Tertullian u.a.) herangezogen.