Jessica Knebel, M.A.

Anschrift:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: jeknebel@uni-mainz.de

Projekttitel: Untersuchung zu Konzepten vom Feuer im Alten Ägypten

Betreuer: Prof. Dr. Tanja Pommerening, Prof. Dr. Jochen Althoff

Projekt:

Feuer wird in verschiedenen Texten aus dem Alten Ägypten erwähnt, wobei ihm eine ambivalente Rolle zukommt. Während in einigen Schriftstücken der positiv zu bewertende Licht- oder Schutzaspekt des Feuers thematisiert wird, haben andere Textstellen ihren Fokus auf dem negativ konnotierten zerstörenden/bestrafenden Aspekt. Darüber hinaus wird Feuer innerhalb von Metaphern und Vergleichen genutzt, zum Beispiel als Versprachlichung der Rede, von Emotionen oder von körperlichen Symptomen. Neben den Textquellen, die den Kern der Arbeit bilden, ist das Feuer in bildlichen Quellen, z. B. Darstellungen von Kochvorgängen, und materiellen Quellen, z. B. als Feuerstelle in Modellen, zu fassen.
Bisherige ägyptologische Forschungen haben sich nur mit einzelnen Aspekten vom Feuer, beispielsweise der Bestrafung, oder mit ausgewählten Feuer-Metaphern beschäftigt. Somit ist eine umfassende Arbeit zum Feuer ein Desiderat in der ägyptologischen Forschung. Da das Dissertationsvorhaben philologisch ausgelegt ist, werden zuerst über den Klassifikator Q7 (Kohlenbecken mit Flamme) Lexeme, die Bedeutungen wie „Feuer“, „Flamme“, „Wärme“ oder „Hitze“ tragen, sowie davon abgeleitete Verben herausgearbeitet. Dieses Textmaterial wird in einer Datenbank gesammelt und ausgewertet. Das Dissertationsprojekt strebt eine lexikologisch-semantische Betrachtung an, um zum einen synchron die Semantiken und Verwendungskontexte der Lexeme zu erfassen. Zum anderen können diachron mögliche Bedeutungs- oder Gebrauchswandel der Lexeme sowie Verschiebungen innerhalb des Wortfelds festgestellt werden. Daneben beabsichtigt das Dissertationsvorhaben altägyptische Konzepte vom Feuer mit Hilfe der konzeptuellen Metapherntheorie miteinzubeziehen, ihre Entwicklung zu thematisieren und in Auszügen im Hinblick auf Universalität und Spezifität mit anderen antiken und modernen Kulturen zu vergleichen.
Als Untersuchungsgegenstand werden Texte aus der Frühzeit (etwa 3000 v. Chr.) bis in die griechisch-römische Zeit (etwa 400 n. Chr.) herangezogen, um mögliche Sprachentwicklungen – auch sprachstufenübergreifend – aufzuzeigen. Das Textkorpus setzt sich aus literarischen, funerären, mythologischen, heilkundlich-magischen, historisch-biographischen und alltäglichen Texten sowie Hymnen und Gebeten zusammen. Methodisch werden verschiedene Herangehensweisen genutzt, beispielsweise die Wortfeldanalyse und Methoden aus der historischen Semantik und kognitiven Linguistik.