Jessica Knebel, M.A.

Anschrift:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: jeknebel@uni-mainz.de

Projekttitel: Untersuchung zu Konzepten vom Feuer im Alten Ägypten

Betreuer: Prof. Dr. Tanja Pommerening, Prof. Dr. Jochen Althoff

Projekt:

Feuer wird in verschiedenen Texten aus dem Alten Ägypten erwähnt, wobei ihm eine ambivalente Rolle zukommt. Während in einigen Schriftstücken der Licht- oder Schutzaspekt des Feuers thematisiert wird, haben andere ihren Fokus auf dem zerstörenden/bestrafenden Aspekt. Darüber hinaus wird Feuer innerhalb von Metaphern und Vergleichen genutzt, zum Beispiel als Versprachlichung der Rede, von körperlichen Symptomen oder von Emotionen. Neben den Textquellen ist das Feuer in bildlichen Quellen, z. B. Darstellungen von Kochvorgängen, und materiellen Quellen, z. B. als Feuerstelle in Modellen, zu fassen.

Bisherige ägyptologische Forschungen haben sich nur mit einzelnen Aspekten vom Feuer, beispielsweise der Bestrafung, oder mit ausgewählten Feuer-Metaphern beschäftigt. Bisher fehlt eine lexikologisch-semantische Arbeit zum Wortfeld [Feuer] und eine ausführliche Analyse, wie Feuer in altägyptischen Texten konzeptualisiert wurde. Auch vergleichende Studien innerhalb der ägyptischen Kultur, aber auch transkulturell, wurden vernachlässigt. Das Dissertationsprojekt, welches innerhalb des Graduiertenkolleg zu frühen Konzepten von Mensch und Natur seit Oktober 2019 entsteht, nimmt eine breitere Perspektive ein und wird die erste umfassende Studie zu diesem Thema sein. Das Projekt widmet sich der Konzeptualisierung von Feuer sowie den damit verwandten Phänomenen wie Hitze, Wärme etc. in unterschiedlichen Medien. Im Mittelpunkt des Projekts stehen unter anderem folgende Fragen: Wie wurde Feuer in den verschiedenen Epochen und Textgruppen aufgefasst? Mit was wurde Feuer assoziiert? Welche Feuer-Metaphern existierten? Wie unterscheiden sich Auffassungen, Kontexte und Metaphern von denen anderer Kulturen? Wie und mit welchen Funktionen wurde Feuer in verschiedenen Kontexten, beispielsweise Alltag, Heilkunde und Religion, beschrieben?

Um sich diesen Fragen anzunähern, ist es notwendig, Detailstudien für ausgewählte Wörter des Wortfelds [Feuer] durchzuführen. Mithilfe des Klassifikators Q7 (Kohlebecken mit Flammen) werden Wörter, die Bedeutungen wie „Feuer“, „Flamme“, „Wärme“ oder „Hitze“ tragen, sowie die davon abgeleiteten Verben herausgearbeitet. Die zu untersuchenden Wörter werden unter lexikologisch-semantischen Gesichtspunkten analysiert, um synchron die Semantiken in den verschiedenen Zeit- und Sprachstufen zu erschließen und um diachron mögliche Bedeutungswandel festzustellen. Auf diesen Ergebnissen aufbauend, beabsichtigt das Dissertationsvorhaben altägyptische Konzepte vom Feuer (z. B. zerstörerische Kraft von Feuer) nachzuzeichnen, ihre Entwicklung zu thematisieren und in Auszügen im Hinblick auf Universalität, Spezifität und Tradierung mit anderen antiken Kulturen (z. B. Mesopotamien Griechenland, Rom) und modernen Vorstellungen zu vergleichen. Durch die angestrebte Studie zum Feuer im Alten Ägypten können kulturübergreifende Gemeinsamkeiten und kulturelle Spezifika innerhalb des Themenkomplexes aufgezeigt werden.

Als Untersuchungsgegenstand werden Schriftquellen von der Frühzeit (etwa 3000 v. Chr.) bis zur griechisch-römischen Zeit (etwa 400 n. Chr.) herangezogen. Das zugrunde gelegte Textkorpus umfasst religiöse, literarische, heilkundliche, magische, historisch-biographische und alltägliche bzw. administrative Texte. Die aus den Texten eruierten Informationen sollen auszugsweise mit Bildern und Objekten verglichen werden. Methodisch werden verschiedene Herangehensweisen genutzt, wie die Wortfeldanalyse und Methoden aus der historischen Semantik und kognitiven Linguistik.