Dr. Nadine Gräßler

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: graessle@uni-mainz.de

Projekttitel: Konzepte des Auges im alten Ägypten.

Betreuerinnen: Prof. Dr. Tanja Pommerening, Prof. Dr. Doris Prechel

Dissertationsvorhaben:

Das Auge als eines der zentralen Sinnesorgane des Menschen spielte in der altägyptischen Kultur nicht nur in heilkundlichen Texten eine herausragende Rolle, sondern hatte auch einen besonderen Stellenwert in religiös-mythologischen Quellen. Während die Augenheilkunde bereits mehrfach Gegenstand ägyptologischer und medizinhistorischer Forschung war, war eine umfassende Untersuchung des Auges in weiteren Kontexten bislang ein Desiderat. Das Promotionsvorhaben strebte daher an, das Auge und seine Bestandteile anhand vornehmlich philologischer Quellen in unterschiedlichen Textgattungen zu bearbeiten.

Ziel sollte dabei sein, die altägyptischen Vorstellungen zu Aufbau und Funktion des Auges herauszuarbeiten und u. a. die Metaphorisierung sowie die Einbindung in religiös-mythologische Konzepte zu untersuchen. Ferner wurde, im Kontrast zum funktionsfähigen Auge, auch untersucht, wie eine Fehlfunktion des Auges   oder absichtliches Blenden bewertet wurden.

Die Arbeit war zunächst als Wortfelduntersuchung angelegt, bei der alle Lexeme aus dem semantischen Feld „Auge“ analysiert wurden. Dabei galt es herauszuarbeiten, welche Bestandteile des Auges separat benannt wurden und mit welchen Wörtern das Auge in seiner Gesamtheit bezeichnet werden konnte. Ferner sollte der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich die in den einzelnen Bereichen genannten Vorstellungen ergänzen oder ob Diskrepanzen festzustellen sind. Die Analyse diachroner Entwicklungen innerhalb des Wortfeldes ließ darüber hinaus einen möglichen Bedeutungs- bzw. Gebrauchswandel feststellen. Parallel dazu diente ein Abgleich mit archäologischen und bildlichen Zeugnissen der Überprüfung, ob die Aussagen in philologischen Belegen mit materiellen Hinterlassenschaften oder rundplastischen und ikonographischen Darstellungen übereinstimmen.

Die Arbeit war interdisziplinär angelegt. Altorientalische und griechische Quellen wurden vergleichend herangezogen. Durch den Vergleich mit Nachbarkulturen, mit denen kontinuierlicher Austausch stattfand, konnten an verschiedenen Beispielen Aussagen über mögliche Tradierungen getroffen und Spezifität und Universalität von Körperkonzepten allgemein hervorgehoben werden.

Das Dissertationsprojekt wurde im August 2016 abgeschlossen.

Die Arbeit wurde publiziert als: N. Gräßler, Konzepte des Auges im alten Ägypten (Studien zur altägyptischen Kultur; Beihefte; 20), Hamburg 2017.