Nicky van de Beek, M.A.

Anschrift:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: nbeek@uni-mainz.de

Projekttitel: Grabmal mit Aussicht: Landschaftsdarstellungen in altägyptischen Gräbern vom Alten bis zum Neuen Reich (ca. 2700-1050 v. Chr.)

Betreuer: Univ.-Prof. Dr. Tanja Pommerening, Univ.-Prof. Dr. Alexander Pruß

Projekt:

Im Rahmen dieser Arbeit werden Darstellungen von Landschaften in altägyptischen Privatgräbern vom Alten bis zum Neuen Reich (ca. 2700-1050 v. Chr.) untersucht. Landschaft kann als die visuelle Umgebung verstanden werden, sowohl die natürliche als auch die vom Menschen geschaffene. Sie ist Gegenstand der Geoarchäologie (Rekonstruktion vergangener Landschaften), der Landschaftsarchäologie (Untersuchung der Art und Weise, wie Menschen in der Vergangenheit ihre Umwelt wahrnahmen, konstruierten und nutzten) und der Kunstgeschichte (Untersuchung der Art und Weise, wie Landschaften dargestellt werden, seit das Genre von holländischen Landschaftsmalern des 17. Jahrhunderts eingeführt wurde).
Die altägyptischen Grabmalereien und Reliefs (oft als "Szenen des täglichen Lebens" charakterisiert) zeigen eine Vielzahl von Szenentypen, die Elemente der Landschaft, wie Wasser, Berge, Vegetation und Tierleben, sowie die menschliche Interaktion mit dieser Landschaft (Fischfang, Vogeljagd, Jagd, Hüten etc.) beinhalten. Diese Landschaftstypen (etisch kategorisiert als Sumpfland, Wüste, Weideland etc.) können als "Prototypen" oder Mitglieder einer konzeptionellen Kategorie betrachtet werden, die in diesen Szenen enthaltenen Elemente (z.B. Papyrusschilf, Vögel, Wasser, der Akt des Aufspießens von Fischen) als mehr oder weniger zentrale Mitglieder ihrer jeweiligen konzeptionellen Kategorie.
Durch Mapping der "Prototypen" von Szenen, in denen Landschaft eine Rolle spielt, ihrer verschiedenen Elemente und der Begriffe, die diesen Elementen in Form von hieroglyphischen Beschriftungen gegeben wurden, entsteht eine semantische "Landschaft", die potentiell einen emischen Blick auf die Art und Weise gibt, in der die alten Ägypter ihre natürliche Umwelt kategorisierten und konzeptualisierten. Diese Art der Forschung kann einen Einblick in die kognitiven und sprachlichen Kategorien der alten Ägypter geben.
Der weite Rahmen dieser Studie soll eine long durée Betrachtung des Materials ermöglichen und dabei die historische und regionale Vielfalt und Entwicklung in Ausdruck und Bedeutung berücksichtigen. Auf diese Weise können die "Prototypen" über einen großen Zeitraum hinweg kartiert werden, um zu untersuchen, auf welche Weise Konzepte von Landschaft in der altägyptischen Kulturgeschichte universell, spezifisch oder ausgetauscht waren.