Rebekka Pabst, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: repabst@uni-mainz.de

Projekttitel: Der tote Körper. Untersuchungen zu Konzepten vom "Leichnam" im Alten Ägypten.

Betreuerinnen: Prof. Dr. Tanja Pommerening, Jun.-Prof. Dr. Claudia Lauer

Dissertationsprojekt:

Die verschiedenen altägyptischen Verfahren der Mumifizierung im Sinne der äußeren Form eines Körpers, ihre Veränderung und Optimierung sind bis zum heutigen Tag Gegenstand wissenschaftlicher Abhandlungen. In der Ägyptologie lag der Fokus des Interesses meist auf den archäologischen Hinterlassenschaften, den Mumien. Vernachlässigt wurde hier sowie generell die Frage, welche Begriffe in den verschiedenen Sprach- und Schriftvarianten (alt-, mittel-, neuägyptisch, demotisch, ptolemäisch, koptisch) des Alten Ägyptens die Bedeutung "toter Körper" transportieren konnten. Bislang fehlt eine ausführliche Betrachtung, wie in altägyptischen Texten ein „toter Körper“ gedacht, beschrieben und expliziert werden konnte. Das Projekt strebt daher an, erstmals umfassend all jene Lexeme und Metonyme zu untersuchen, welche die Bedeutung „toter Körper“, „Mumie“ oder „Leichnam“ tragen können. Zudem sollen konzeptuelle Metaphern herausgearbeitet werden, die dem altägyptischen Konzept vom „Leichnam“ zugrunde liegen. Um derartige Aspekte nachzeichnen zu können, ist für die Untersuchung ein Zeitraum von der Frühzeit bis in die griechisch-römische Zeit Ägyptens (ca. 3000 v. Chr. – ca. 400 n. Chr.) gewählt. Das zu untersuchende Textkorpus wird sich aus verschiedenen Textgattungen zusammensetzen, wobei das Hauptaugenmerk auf den altägyptischen Jenseitstexten (z. B. Pyramidentexte, Sargtexte, Totenbuch) liegt. Allerdings werden auch Schriftquellen aus anderen Bereichen, wie etwa medizinische oder mythologische Texte, in das Textkorpus aufgenommen.

In synchroner Betrachtung soll hierbei untersucht werden, welche Aussagen in den für die jeweilige Epoche spezifischen Texte zum „toten Körper“ gemacht werden. Aus diachroner Perspektive soll hingegen versucht werden, mögliche Bedeutungs- und Gebrauchswandel einzelner Lexeme nachzuzeichnen. Da in unterschiedlichen Kontexten anders gedacht wird, ist zudem zu vermuten, dass sich innerhalb der einzelnen Textgattungen heterogene Konzepte zum „Leichnam“ abzeichnen. Zusätzlich zu der geplanten lexikologisch-semantischen Analyse wird eine Text-Bild Korrelation angestrebt. Im Fokus stehen dabei flachbildliche Darstellungen von „toten Körpern“, welche durch eine Inschrift gekennzeichnet sind. Es soll überprüft werden, ob die in den Bildquellen genannten Lexeme mit der jeweiligen Darstellung des Leichnams vereinbar sind.

Um etwaige Konzepte zum „toten Körper“ im Alten Ägypten ermitteln zu können, wird für die anzuwendende Methodik eine Kombination mehrerer Modelle aus der kognitiven Linguistik angestrebt. Diese Methoden müssen im Hinblick auf das Quellenmaterial und die Fragestellungen der Ägyptologie modifiziert werden.