Letizia Savino

Anschrift:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Altertumswissenschaften
55099 Mainz

E-Mail: lsavino@uni-mainz.de

Projekttitel: Medicine and physicians abroad. Circulation of experts and expertise in the Second Millennium BCE in the Ancient Near East

Betreuer: Prof. Dr. Doris Prechel, Prof. Dr. Alexander Pruß

Projekt:

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Untersuchung der Mobilität ausländischer Spezialisten und/oder der Anfragen nach Zutaten zur Herstellung von Heilmitteln zwischen verschiedenen Realitäten des Alten Nahen Ostens während des zweiten Jahrtausends v. Chr. Medizin und Ritualmedizin war in der Antike ebenso wie heute definitiv ein Kontaktpunkt zwischen Kulturen, und dies spiegelt sich in alten nahöstlichen Textquellen aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. wider. Der Bedarf an Ärzten oder Beschwörern war in der Vergangenheit ebenso dringend wie heute an Spezialisten im medizinischen Bereich. Es wurden zahlreiche Briefe aus dem gesamten Alten Nahen Osten gefunden, die die Anfragen von Privatpersonen nach entweder spezialisiertem Personal aus einem bestimmten Gebiet (das könnte eine bestimmte Stadt oder ein bestimmtes Königreich sein) oder nach bereits zubereiteten Arzneimitteln oder Zutaten für deren Herstellung bezeugen; In einigen Fällen haben wir sogar die Bitte um Statuen von Gottheiten im Zusammenhang mit Heilpraktiken.

Spezialisten jeder Art von Fachwissen und „Unternehmen“ reisten oft durch Gebiete des Alten Nahen Ostens: Wir haben Berichte über ausländische Experten, die in Anatolien, Mesopotamien und Babylonien, aber auch in Ägypten, anwesend waren. Normalerweise folgte die Migrationsbewegung dieser Experten zwei Routen: Von Babylon aus zogen sie nach Norden und Nordwesten, während sie von Ägypten aus nach Norden und Nordosten zogen.

Forscher haben sich bereits mit der Frage der Spezialisten befasst, die durch den Alten Nahen Osten reisen, aber uns fehlt eine eingehende Untersuchung der Mobilität insbesondere medizinischer Experten und der eventuellen Verbreitung und Anhäufung von Praktiken, die ihnen folgten.

Die Forschung wird sich hauptsächlich auf zwei parallele Aspekte konzentrieren. Die erste wird versuchen, die Frage zu beantworten: Welche Art von Fachwissen wurde „im Ausland“ angefordert? Die zweite hingegen wird die Kernfrage haben: Welche Art von Produkten wurden für medizinische Zwecke ausgetauscht?

Um die erste Frage beantworten zu können, also welche Art von Experten aus dem Ausland hinzugezogen wurden, müssen weitere Themen untersucht werden; zunächst müssen wir verstehen, wer die Spezialisten waren, die ins Ausland gezogen sind, und vor allem, woher und wohin.

Für den zweiten Punkt, also welche Medizinprodukte wurden angefordert und ausgetauscht, sind folgende Fragen zu prüfen: Von wem und an wen wurden diese Produkte angefordert? Waren diese Produkte bereits zubereitete Medikamente oder auch Wirkstoffe (Pflanzen, Mineralien und Kräuter)?

Hinter all diesen Fragen steckt natürlich die Frage: Warum wurden diese Experten und Substanzen aus einem anderen Land angefordert? Welche ausländische Medizin gilt als wirksamer und oder maßgebend? Gab es eine bestimmte medizinische Tradition, die als den anderen irgendwie überlegen galt und dadurch bestimmte lokale Aspekte der (Ritual-)Medizin beeinflusste?

Ziel der Forschung wird es daher sein, zu versuchen, alle diese Fragen zu beantworten, möglicherweise gleichzeitig das gesamte Material zu diesem Thema an einem Ort zu sammeln und aufzulisten, um auch eine Bestandsaufnahme dessen machen zu können, was bereits bekannt ist, aber bisher nur verstreut in Abhandlungen und Veröffentlichungen zu finden ist.

Natürlich ist die Kenntnis lokaler Gepflogenheiten (z. B. Hethiter, Ägypter usw.) erforderlich, um das Ausmaß der Einflüsse zu verstehen. Ein Teil der Forschung wird daher darin bestehen, bekannte lokale Praktiken zu analysieren, um Berührungspunkte oder Unterschiede zu erkennen.