Sina Lehnig, M.A.

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Graduiertenkolleg 1876
Hegelstr. 59
55122 Mainz

E-Mail: silehnig@uni-mainz.de

Projekttitel: Untersuchung von Landschaftskonzepten in der römisch-byzantinischen Levante.

Betreuerinnen: Prof. Dr. Heide Frielinghaus, Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser

Dissertationsprojekt:

Die Region des heutigen Israel, Palästina und Jordanien ist durch eine hohe klimatische und naturräumliche Vielfalt geprägt. Zwischen der subtropischen Feuchtigkeit der Levante einerseits und der Trockenheit der Sahara und der arabischen Wüste andererseits, haben sich Landschaftsformen herausgebildet, die an ihre Bewohner unterschiedliche Herausforderungen stellen. Die zahlreichen Surveys, die in der Region seit 1872 durch den Palestine Exploration Fund und ab 1964 durch den Archaeological Survey of Israel durchgeführt wurden, zeigen ein deutliches Bild der Besiedlung in den unterschiedlichen Naturräumen: Während die durch fruchtbare Täler gekennzeichneten Gebiete Samaria und Judäa bereits für hellenistische Zeit eine hohe Dichte archäologischer Fundstätten aufweisen, sind die südlich hieran angrenzende Negevwüste und das Karmel- und Golangebirge im Norden kaum besiedelt. Einzig auf die extremen klimatischen Bedingungen spezialisierte Gruppen leben hier, wie z.B. die Nabatäer im Negev, die mit Kamelkarawanen Weihrauch von der arabischen Halbinsel nach Gaza transportieren. Nach der römischen Annexion im Jahr 106 n. Chr. beginnt sich dieses Bild zu wandeln. Die gesamte Region erfährt einen Bevölkerungswachstum, der im 4. Jahrhundert seinen Zenit erreicht. Bestehende Siedlungen wachsen über ihre Stadtmauern hinaus, neue Siedlungen und v.a. landwirtschaftliche Betriebe entstehen. Auch die bislang aufgrund ihrer extremen naturräumlichen und klimatischen Bedingungen gemiedenen Gebiete werden von dieser Entwicklung erfasst. Es entstehen große Städte wie Elusa im Negev oder Horvat Castra im Karmel, die, wie es zunächst den Anschein hat, einen hohen Lebensstandard mit gepflasterten Straßen, Abwassersystem, Theater usw. bieten. Doch war das alltägliche Leben in den Großstädten am Rande der gemäßigten Klimazonen tatsächlich ein angenehmes oder haben Wetter, hohe Temperaturen und schwieriges Gelände den Bewohnern zu schaffen gemacht? Eine der wenigen zeitgenössischen Überlieferungen eines Jerome – Philosoph und Lehrer – aus Elusa, ist zu entnehmen, dass er das salzige Wasser, Sandstürme und mit Gerste gestrecktes Brot in der Stadt beklagt. Sind dies nur die Beschwerden eines Einzelnen oder tatsächliche und wiederkehrende Probleme in einer extremen Klimazone?

Im Rahmen meiner Dissertation soll anhand der Beispiele der nördlichen Bergregionen Golan und Karmel sowie der Negevwüste untersucht werden, wie diese schwierigen Naturräume erschlossen wurden und wie die Bewohner ein Leben mit hohen Temperaturen, Wind und Wassermangel empfunden und gemeistert haben.

Um ein besonders umfassendes Bild von der Mensch-Umweltbeziehung in den genannten Gebieten zu erzielen, sollen verschiedene Siedlungstypen (Stadt, Dorf, landwirtschaftlicher Betrieb), auf die folgenden Fragen hin untersucht werden:

  • Welche topographischen Lagen werden bevorzugt gewählt?
  • Auf welchem Bodentyp wird gesiedelt?
  • Wie wichtig ist die Nähe zu Wasserläufen?
  • Welche Ressourcen sind vor Ort vorhanden? Welche werden genutzt und welche nicht?
  • Welche Tiere wurden gehalten und welchen Zweck sollten sie erfüllen?
  • Welche Pflanzen wurden kultiviert und weiterverarbeitet?
  • Konnte sich die Region zu einem hohen Anteil aus sich selbst heraus versorgen, oder war der Bedarf oder das Bedürfnis nach Importen (Tiere, Pflanzen) aus fruchtbareren Gebieten groß?
  • Was verraten uns schriftliche Überlieferungen und ikonographische Darstellungen über die Wahrnehmung der Region durch den Menschen?